Wie gehen wir vor?
Ablauf einer IVF- oder ICSI-Behandlung
Wer zum ersten Mal eine Kinderwunschbehandlung beginnt, hat meistens dieselben Fragen:
Wie lange dauert das? Wie viele Termine brauche ich? Was muss ich selbst tun?
Jede Behandlung wird individuell geplant. Der folgende Ablauf beschreibt den typischen Ablauf einer IVF- oder ICSI-Behandlung, Schritt für Schritt, so konkret wie möglich. Im Einzelfall kann es Abweichungen geben, die wir gemeinsam mit Ihnen besprechen.
Die Behandlung Schritt für Schritt
Ablauf der Stimulation im Antagonistenprotokoll
1
Vorbereitung und Zyklusstart
Zu Beginn des Zyklus
Vor Beginn der Behandlung erfolgt eine kurze Kontrolle mittels Ultraschall und gegebenenfalls einer Blutuntersuchung. Dabei prüfen wir, ob die Eierstöcke bereit für die Stimulation sind und legen gemeinsam den genauen Behandlungsbeginn fest.
In manchen Fällen kann eine hormonelle Vorbereitung zur Zyklussteuerung sinnvoll sein. Sie erleichtert die Planung der Behandlung und hilft dabei, den Ablauf individuell auf Ihre persönliche Situation abzustimmen.
2
Stimulation der Eierstöcke
Ab ca. Zyklustag 2–3 · etwa 10–12 Tage
Zu Beginn der Stimulation spritzen Sie sich täglich ein follikelstimulierendes Hormon (FSH). Dieses regt die Eierstöcke dazu an, mehrere Eibläschen (Follikel) gleichzeitig heranreifen zu lassen. Ziel ist es, mehrere reife Eizellen für die spätere Befruchtung zu gewinnen.
Die meisten Patientinnen führen die Injektionen abends selbstständig zu Hause durch. Unser Team zeigt Ihnen genau, wie die Anwendung funktioniert, und steht Ihnen bei Fragen jederzeit zur Verfügung.
Während der Stimulationsphase können die meisten Frauen ihren Alltag und ihrer beruflichen Tätigkeit wie gewohnt nachgehen.
3
Verhinderung eines vorzeitigen Eisprungs
Meist ab dem 5. bis 6. Stimulationstag
Sobald die heranwachsenden Follikel eine bestimmte Größe erreicht haben, wird zusätzlich ein GnRH-Antagonist verabreicht. Dieses Medikament verhindert, dass der Körper vorzeitig einen Eisprung auslöst.
So können wir den Zeitpunkt der Eizellentnahme gezielt planen und die Entwicklung der Follikel optimal begleiten.
4
Kontrolle des Follikelwachstums
Nach etwa 5–7 Tagen Stimulation, anschließend je nach Befund
Das Wachstum der Follikel wird regelmäßig mittels Ultraschall und gegebenenfalls Blutuntersuchungen kontrolliert. Die Kontrolltermine finden meist morgens statt und dauern nur kurze Zeit.
Anhand der Ergebnisse passen wir die Medikamentendosis bei Bedarf an und bestimmen den optimalen Zeitpunkt für die Auslösespritze sowie die anschließende Eizellentnahme.
5
Auslösen des Eisprungs
Am Ende der Stimulationsphase · eine Spritze am Abend
Wenn die Follikel die richtige Größe erreicht haben, wird die FSH-Behandlung gestoppt. Eine einzelne Spritze löst den Eisprung aus – den Zeitpunkt gibt das Praxisteam exakt vor, da die Eizellentnahme 35–37 Stunden später stattfindet.
Die Auslösespritze muss auf die Minute genau zum vorgegebenen Zeitpunkt gegeben werden – meist spätabends.
6
Eizellentnahme (Follikelpunktion)
35–37 Stunden nach der Auslöse-Spritze · ca. 2–3 Stunden in der Praxis
Die reifen Eizellen werden per Ultraschall und einer feinen Nadel durch die Scheide entnommen. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Zur Schmerzfreiheit erhalten Sie entweder ein Beruhigungs- und Schmerzmittel oder eine kurze Vollnarkose. Anschließend ruhen Sie ca. 1–2 Stunden bei uns, dann können Sie nach Hause.
Kommen Sie nüchtern und mit Ihrem Partner. Beide bringen bitte den Personalausweis mit. Ihr Partner gibt gleichzeitig eine Samenprobe im Labor ab. Planen Sie diesen Tag frei.
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Befruchtung im Labor
1–3 Tage nach der Punktion · Sie warten zuhause
Im IVF-Labor werden die entnommenen Eizellen befruchtet – entweder durch klassische IVF (Eizellen und Samen werden zusammengegeben) oder ICSI (eine einzelne Samenzelle wird direkt injiziert). Wir rufen Sie am nächsten Tag an und informieren Sie über das Befruchtungsergebnis und wann der Transfer stattfindet.
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Embryotransfer
2–5 Tage nach der Punktion · ca. 30 Minuten
Ein dünner, biegsamer Katheter überträgt einen oder zwei Embryonen in die Gebärmutterhöhle. Das ist in der Regel schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. In Deutschland werden maximal zwei, in Ausnahmefällen drei Embryonen übertragen.
Ob Ihr Partner dabei ist, entscheiden Sie gemeinsam. Medizinisch notwendig ist es nicht, viele Paare empfinden es aber als wichtig.
9
Wartezeit und Schwangerschaftstest
14 Tage nach dem Transfer · dann Bluttest
Die zwei Wochen nach dem Transfer sind für viele Paare die schwerste Phase – das Warten. Versuchen Sie, Ihren Alltag so normal wie möglich zu gestalten. Körperlich sollten Sie intensive sportliche Belastung, Sauna und heiße Bäder vermeiden. Ein Hormonpräparat (Progesteron) unterstützt in dieser Phase die Gebärmutterschleimhaut. Zwei Wochen nach dem Transfer führen wir einen Bluttest durch. Ist er positiv, folgt nach weiteren drei Wochen ein Ultraschall zur Bestätigung der Schwangerschaft.
Häufige Fragen
In den meisten Phasen ja. Die Stimulationsspritzen setzen Sie abends selbst zuhause. Die Kontrolltermine legen wir wenn möglich auf den frühen Morgen. Am Tag der Punktion sollten Sie sich freinehmen – wegen der Narkose sollten Sie auch nicht selbst Auto fahren.
Unser Team zeigt Ihnen das vor dem ersten Spritztag – inklusive Übung. Die modernen Injektionsstifte sind einfach zu bedienen. Fast alle Patientinnen kommen damit gut zurecht. Wenn Ihnen das nicht liegt, kann auch Ihr Partner spritzen.
Das kommt vor und gehört zu den schwierigsten Momenten in diesem Prozess. Wir sprechen dann ausführlich mit Ihnen: Was könnte die Ursache sein? Was sind mögliche nächste Schritte? Ein fehlgeschlagener Zyklus ist kein Endpunkt, sondern eine Information.
Bitte rufen Sie uns sofort an – auch wenn die Blutung ausbleibt. Der genaue Zyklusbeginn bestimmt den Startpunkt der Behandlung. Je früher wir wissen, was passiert, desto besser können wir reagieren.
Leichte Bewegung wie Spazieren gehen ist in Ordnung. Ab der Stimulationsphase sollten Sie intensive Sportarten, Sauna und heiße Bäder meiden. Die Eierstöcke schwellen durch die Hormonstimulation an und werden empfindlicher – starke Erschütterungen sind dann unangenehm.
In Deutschland werden in der Regel ein bis zwei Embryonen übertragen. Mehr als drei sind gesetzlich nicht erlaubt. Wie viele bei Ihnen sinnvoll sind, besprechen wir vor dem Transfer gemeinsam – abhängig von Ihrem Alter, der Qualität der Embryonen und Ihrer Vorgeschichte.
Überzählige Embryonen, die sich gut entwickelt haben, können eingefroren (kryokonserviert) werden. So können sie in einem späteren Zyklus verwendet werden – ohne eine neue Stimulation. Was in Ihrem Fall möglich ist, klären wir vor der Behandlung.
Der Ablauf für Sie als Patientin ist identisch. Der Unterschied liegt im Labor: Bei der IVF werden Eizellen und Samen einfach zusammengegeben. Bei der ICSI wird eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle injiziert – das kommt zum Einsatz, wenn die Samenqualität eingeschränkt ist oder frühere IVF-Versuche keine Befruchtung ergaben.
Nach der Punktion rufen wir Sie am nächsten Tag an und teilen das Befruchtungsergebnis mit. Den Transfertermin vereinbaren wir dabei gleich. Nach dem Transfer folgt der Bluttest nach 14 Tagen. Alle Ergebnisse besprechen wir persönlich – nicht per automatischer Nachricht.
Sie haben Fragen zu
Ihrer konkreten Situation?
Beim ersten Gespräch gehen wir den Ablauf gemeinsam durch.
